Großmann mit Kleinhirn
Offene Zeilen an den RWE-Chef Großmann
Berlin, den 01.10.2009.
Leider haben Sie uns, die Bundesjugendleitung der BUNDjugend und die Öffentlichkeit, nicht wirklich mit dem Ruf nach verlängertem Betrieb Ihrer Atomkraftwerke überrascht. Dabei ignorieren Sie, dass nicht ohne Grund vor acht Jahren eine auch von Ihrem Unternehmen unterzeichnete Vereinbarung getroffen wurde, die sich Atomkonsens nennt.
Die Argumente sind hinreichend bekannt und werden sowohl durch gehäuft auftretende Störfälle als auch aufgrund des Desasters in der Endlagerfrage immer wieder unterstrichen.
Bislang konnte RWE von dieser Vereinbarung profitieren. Der gesellschaftliche Druck zur raschen Stilllegung hat im Vertrauen auf den Atomkonsens nachgelassen, während die Atommeiler weiter liefen. Für das nicht einmal in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich haben Sie weitere, auf andere Meiler übertragbare Reststrommengen erhalten. Die Bundesregierung hat bis heute auf mögliche zusätzliche Besteuerungen bzw. einen Abbau der Subventionen im Rahmen dieser Vereinbarung verzichtet und sah sogar von Verschärfungen der Sicherheitsstandards in Hinblick auf eine Einigung zum Atomausstieg ab.
Nun steht in den kommenden Jahren die Umsetzung des Abkommens in Form von Abschaltungen auch in Ihrem Haus bei gleich zwei Kraftwerksmeilern an. Mehrfach haben Sie versucht, Reststrommengen von neueren bzw. nie in Betrieb gesetzten AKWs auf ältere zu übertragen. Der Kraftwerksmeiler Biblis A wurde bewusst für eine mehrmonatige Revision abgeschaltet, um seine Laufzeit bis nach den Wahlen am 27. September 2009 zu verlängern.
Nach der Bundestagswahl und der sich abzeichnenden neuen, atomfreundlichereren Regierung stoßen Sie die Debatte um grundsätzliche Verlängerungen der Laufzeiten aller Atomkraftwerke wieder an, als ob es sich um eine einseitige Vereinbarung durch die damalige Bundesregierung handelt. Damit verfolgen Sie engstirnig allein Ihre Konzerninteressen, ohne Rücksicht auf Ihre gesellschaftlich-politische Verantwortung gegenüber heutiger und kommender Generationen.
Sie werden feststellen, dass Sie kurzfristige Unternehmenspolitik nicht dauerhaft gegen die übergeordneten Interessen der Gesellschaft stellen können. Die Zukunft der Energieversorgung liegt nicht im Anhäufen von Atommüll, sondern in regenerativen Energien und im Nutzen von Einsparpotentialen.
Stehen Sie dieser Entwicklung nicht länger im Wege. Halten Sie Wort. Überraschen Sie uns mit einer Einsicht in diese Argumente.
Die Bundesjugendleitung der BUNDjugend
Hintergrund:
Angesichts des bevortehenden Regierungswechsels im Bund hat sich der Chef des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, für eine längere Laufzeit aller Atomkraftwerke ausgesprochen.
Aktiv werden:
“Am Atomausstieg ist nicht zu rütteln”: Unterschreibe den offenen Brief an Angela Merkel, Horst Seehofer und Guido Westerwelle!


