BUNDjugend Bundesverband - Jugend im BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Position zu Unternehmenssponsering im Bildungsbereich

(Umwelt)-Bildung ist nicht käuflich

In zunehmendem Maße nehmen Wirtschaftsunternehmen auf die Bildungspolitik Einfluss. Ob in Universitäten, Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen, wirtschaftlich gesteuerte Interessengruppen sind in erheblichem Maße daran interessiert, das Bildungssystem nach ihren Vorgaben zu gestalten und gleichzeitig ein positives Unternehmensimage zu etablieren.

Bildung dient nicht nur der Wirtschaft

Eine aufgeklärte Gesellschaft bedarf kritischer und freier Wissenschaften zur Entwicklung von Zielen und Möglichkeiten unseres Zusammenlebens, die sich nicht einseitig an wirtschaftlichem Wohlstand und Individualinteressen messen lassen.

In einer von der Wirtschaft geleiteten Bildung werden Inhalte nur dann vermittelt, wenn sie den Verwertungsinteressen der Privatwirtschaft entgegenkommen. Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und sämtliche Wissenschafts- und Bildungsbereiche, die sich mit einer nachhaltigen und sozialen Lebensweise beschäftigen, werden jedoch sträflich vernachlässigt.

Bildung ist kein Werbeträger

Konzerne, die scheinbar in Bildungsarbeit investieren, sind allzu oft davon geleitet, ihr Image aufzupolieren. Gerade im Bereich der Umweltbildung können sie dies direkt auf doppelte Weise tun: durch den Bildungsgedanken wie auch durch den Umweltgedanken.

Greenwashing ist jedoch keine Lösung, sondern nur Stückwerk, insofern die grundsätzlichen gesellschaftlichen Probleme nur überdeckt, nicht aber beseitigt werden. Bildungsarbeit durch Unternehmen wird nur dann glaubwürdig, wenn sie aus der Kultur und der Philosophie des Unternehmens entspringt. Doch gerade diese Bedingung für gesellschaftliches Engagement von Konzernen wird von vielen Verbänden, Parteien und Medienakteuren ausgeblendet.

Schöne Worte, aber auch Geldspenden an Bildungseinrichtungen, sind ohne entsprechendes Handeln im Alltag der Konzerne, eine leere Geste, von der sich die BUNDjugend nicht blenden lassen wird.

Bildung ist Staatsaufgabe

In Zeiten leerer Kassen zieht sich der Staat zunehmend aus seiner Bildungsaufgabe zurück. Gerne springen dann Unternehmen ein und finanzieren Bildungsträger und Bildungsangebote. Dass durch diese Geldquellen Bildung weiter ermöglicht wird, lenkt vom Rückzug der öffentlichen Hand aus der eigenen Verantwortung ab.

Bildung ist Staatsaufgabe und muss es auch bei einer schwierigen Haushaltslage weiterhin bleiben. Bildung ist der Schlüssel für eine langfristig funktionsfähige Volkswirtschaft, wirtschaftlich wie auch sozial-ökologisch und rechtstaatlich.

Die Länder, die heute als Bildungsvorbilder dienen – Island, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland – investieren mit 6% oder mehr ihres Bruttoinlandsprodukts die meisten öffentlichen Mittel in ihre Bildungssysteme. Spitzenreiter bei den Investitionen sind Korea (7,2%) und die Vereinigten Staaten (7,4%) sowie Island (8,0%). Deutschland liegt mit 4,3% hingegen erst an 21. Stelle unter den 28 OECD-Staaten mit vergleichbaren Daten. Zwar wird dies teilweise durch einen überdurchschnittlichen Anteil von Privatausgaben im Rahmen des dualen Systems kompensiert, dennoch bleibt auch der Gesamtanteil öffentlicher und privater Investitionen am BIP in Deutschland mit 5,2% unter dem OECD-Mittel von 5,7 %, das bei einer Gewichtung nach der Größe der Staaten sogar auf 6,2% ansteigt. (OECD 2007)

Die BUNDjugend-Position

Die BUNDjugend erkennt Bildung als einen Selbstzweck an und lehnt deshalb die Förderung durch und die Zusammenarbeit mit Konzernen ab, soweit diese nicht strengen ethischen und ökologischen Standards entsprechen. Bildung darf keine Ware werden, sie ist ebenso wie Natur und Umwelt jenseits wirtschaftlicher Verwertung sinnvoll. Die Sparmaßnahmen an der Bildung müssen ein Ende haben.

Die BUNDjugend fordert eine angemessene Finanzierung der staatlichen Bildungsaufgabe, wie sie in den Staaten, die heutzutage als Bildungsvorbilder herhalten müssen, bereits seit langem üblich ist. Wenn Deutschland seinen ihm zugeschriebenen Standard in Zeiten der Wissensgesellschaft halten will, dann muss es massiv in die Bildung investieren. Die Steigerung der staatlichen Leistungen von 4,3% auf die genannten durchschnittlichen 6% des BIP entsprächen so zum Beispiel etwa zusätzlichen 35 Mrd. Euro. Geld, welches dringend benötigt wird, um den Bildungsstand zu verbessern und um weniger stark auf private Investoren mit ihren Eigeninteressen angewiesen zu sein.