Mobilität
Positionspapier Mobilität
Beschlossen auf der Bundesjugendversammlung der BUNDjugend vom 20. – 22.05.2011 in Rotenburg a.d. Fulda.
Mobilität bestimmt viele Bereiche unseres Alltags. Die Verkehrsinfrastruktur und -technik ist jedoch den aktuellen demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und der ganzen Welt nicht gewachsen. Aus sozialer und ökologischer Sicht ist deshalb ein zukunftsweisender Umbau von Infrastruktur wie auch die Umstellung von Mobilitätsgewohnheiten gefragt. Die politisch Verantwortlichen sind aufgefordert die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Gleichzeitig muss jede/r Einzelne/r seinen/ihren Beitrag zu einer klimaschonenderen Mobilität leisten.
Vom Prod
ukt „Auto“ zur Dienstleistung „Mobilität“
Der Leitgedanke einer zukunftsfähigen Mobilität ist der Schritt vom privaten Kraftfahrzeug hin zur bedarfsgerechten Inanspruchnahme von Mobilität. Mittlerweile leben weltweit über 50% aller Menschen in Städten, in Deutschland sind es etwa 60%. Gerade hier kann durch Bus, Bahn, Carsharing, Leihfahrräder und deren intelligente Kombination bedarfsgerechte Mobilität umgesetzt werden. Sobald intelligente Mobilitätskonzepte für alle erschwinglich und erreichbar sind, wird das eigene Auto überflüssig.
Bus und Bahn
Das öffentliche Verkehrssystem muss stets Vorrang vor dem motorisierten Individualverkehr haben. Dafür müssen Nah- und Fernverkehr attraktiv gestaltet und intelligent miteinander verknüpft werden. Schnelle Verbindungen, günstige Preise und ein guter Service stehen dabei im Vordergrund. Busse und Bahnen, gerade in ländlichen Gegenden, dürfen nicht weiter zurück-, sondern müssen im Gegenteil massiv ausgebaut werden. Aus diesen Gründen sind Bahn und andere Verkehrsbetriebe zurück in öffentliche Hand zu führen sowie deren Kommerzialisierung zu verhindern. Im Nah- und Fernverkehr ist die Möglichkeit der Fahrradmitnahme deutlich zu verbessern.
Preisgerechtigkeit zwischen den Verkehrsträgern
Vielfach ist das Auto für die Einzelperson noch immer ökonomisch preiswerter als die Alternativen Bus und Bahn. Dies ist jedoch weitgehend darauf zurückzuführen, dass die externen Effekte (auf Umwelt und Klima) des Autoverkehrs durch alle Steuerzahler und nicht durch den Autofahrer getragen werden. Zur Auflösung dieses Missstandes müssen Kosten für ökologische Schäden direkt in den Fahrtpreis einfließen. Die Internalisierung externer Kosten gilt insbesondere auch für den Güterverkehr. Dies kann durch den Abbau von Subventionen und die Erhebung von Ökosteuern vor allem im Bereich des Auto- und Luftverkehrs (Kerosin- und Ökosteuer) ermöglicht werden. Dadurch werden energieeffizientere Fortbewegungsmittel ökonomisch attraktiver. Gleichzeitig werden finanzielle Mittel frei, die zweckgebunden in den Natur- und Umweltschutz im Verkehrsbereich fließen sollen.
Intelligente Gesamtkonzepte anstatt „Vorzeige-Bauprojekte“
Statt Gelder in einzelnen Großbauprojekten wie Stuttgart 21 oder dem Ausbau von Donau, Elbe oder gar Saale zu verschwenden, sollte das Augenmerk auf ganzheitliche Mobilitätskonzepte gerichtet werden. Um eine breite Akzeptanz bei der lokalen Bevölkerung zu erreichen, müssen adäquate Beteiligungsverfahren geschaffen werden.
Lebenswerte Städte – Verkehrsfreundliches Land
Die autofixierte Stadtplanung muss zugunsten einer lebenswerten Stadt aufgegeben werden, in der alle alltagsrelevanten Ziele zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem ÖPNV erreichbar sind. Dazu ist die Einrichtung autofreier Innenstädte notwendig. Das antiquierte Stadtmodell darf nicht als „Exportmodell“ für Entwicklungs- oder Schwellenländer dienen. Intelligente Modelle der Verkehrsorganisation und gesunde, entspannte Mobilität müssen an die Stelle von Aggressivität im Verkehr und einer hohen Zahl von Unfällen treten. Dazu fordern wir die Einführung von Tempolimits auf Autobahnen (120 km/h). Bei der Neustrukturierung von ländlichen Räumen spielen Möglichkeiten wie Leihfahrräder, Sammeltaxis, Carsharing und andere flexible Lösungen die zentrale Rolle. Desweiteren sollte die Radinfrastruktur ausgebaut und verbessert werden.
Umdenken – Individuelles Verantwortungsbewusstsein der Verkehrsteilnehmer schärfen
Jede/r Einzelne/r ist gefragt, seine/ihre persönlichen Verkehrsgewohnheiten zu reflektieren und auf Notwendigkeit und Ökobilanz zu überprüfen. Kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück zu legen kostet oft nicht mehr Zeit und fördert das Wohlbefinden. Es muss auch darüber nachgedacht werden, inwiefern man sich in puncto Mobilität einschränken kann oder sollte. Grundsätzlich müssen hohe ökologische Kriterien bei Reiseentscheidungen eine Rolle spielen. Entsprechende Verhaltensänderungen müssen durch frühzeitige Bildungsmaßnahmen und Anreizsysteme unterstützt werden.
Elektromobilität
Elektromobilität ist ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehrs sowie des motorisierten Individualverkehrs. Elektro-Prototypen und vereinzelte Serienmodelle der Automobilkonzerne dürfen aber nicht als Ablenkung für die Verpflichtung zur notwendigen Verbrauchssenkung bei den Verbrennungsmodellen dienen. Erneuerbare Energien und Elektroautos gehören zusammen, denn nur mit Ökostrom ergeben Elektroautos Sinn und umgekehrt können sie als Speicher für fluktuierende Erneuerbare Energien dienen. Mit fossilen Energieträgern betriebene Elektroautos sind keine Lösung, sondern verschieben das Problem. Die Forschung und der Markteintritt von Elektroautos müssen nach dem Vorbild des Gesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien staatlich gefördert werden.
Soziale Aspekte
Mobilität muss für jeden Menschen unabhängig von Alter, körperlicher Fitness und finanzieller Situation möglich sein. Die Verteuerung der klimaschädlichen Verkehrsmittel kann natürlich eine ausschließende Wirkung gerade für sozial Schwächere haben. Dieser Widerspruch besteht und muss im Blick behalten und bearbeitet werden. Das Auto als Statussymbol sollte hinterfragt werden. Steuerpläne etc. müssen so ausgestaltet werden, dass eine ökologische Lenkungswirkung entsteht. Die Subventionierung von Dienstwagen ist abzuschaffen.
Wir als BUNDjugend setzen uns für eine ökologische, klimafreundliche und gerechte Mobilität ein, die bezahlbar und in allen Regionen gleichermaßen vertreten ist.
Mobilität ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft. Jedoch ist die Verkehrsinfrastruktur und -technik den aktuellen Entwicklungen in Deutschland sowie der ganzen Welt nicht gewachsen. Aus sozialer und ökologischer Sicht ist deshalb ein zukunftsweisender Umbau von Infrastruktur sowie auch die Umstellung von Mobilitätsgewohnheiten gefragt. Die Politik ist aufgefordert, die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Mobilität – Vom Produkt zur Dienstleistung
Die technischen Fortschritte dürfen nicht dazu dienen, den aktuellen Status quo der Autonutzung aufrecht zu erhalten. Das Produkt Auto muss zur Dienstleistung Mobilität werden. Wenn Autos wie z. B. beim Carsharing nicht mehr gekauft werden müssen, sondern gemietet werden können, dann wird eine bedarfsgerechte Mobilität (vom Einsitzer bis zum Transporter) endlich möglich und für jeden bezahlbar. Gleichzeitig muss sich das Auto dann dem direkten Wettbewerb von Bus und Bahn stellen, den dann häufig günstigeren Alternativen.
Bus und Bahn – Immer erste Wahl
Das öffentliche Verkehrssystem soll Vorrang vor dem individuellen Personenverkehr haben. Dafür müssen Nah- und Fernverkehr attraktiv gestaltet und intelligent miteinander verknüpft werden. Schnelle Verbindungen, günstige Preise und ein guter Service stehen dabei im Vordergrund. Busse und Bahnen, gerade in strukturschwachen Regionen, dürfen nicht weiter zurückgebaut, sondern müssen im Gegenteil ausgebaut werden. Aus diesen Gründen ist die Privatisierung der Bahn auch zukünftig zu verhindern. Im Nah- und Fernverkehr ist die Möglichkeit der Fahrradmitnahme deutlich zu verbessern.
Die Renaissance der lebenswerten Stadt
Mittlerweile leben weltweit über 50 % aller Menschen in Städten, in Deutschland sind es etwa 60 %. Auch wenn das Leben in der Stadt ökologische Vorteile hat, stören Probleme wie Lärm und Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr häufig das Bild einer lebenswerten Stadt. Dies kann durch eine nachhaltige Mobilitätskultur geändert werden. Die antiquierte, autofixierte Stadtplanung darf dabei nicht als „Exportmodell“ für Länder wie China dienen. Intelligente Modelle der Verkehrsorganisation und das Ziel mit Spaß mobil zu sein müssen an die Stelle von Aggressivität im Verkehr und einer hohen Zahl von Unfällen treten. Autos können durch einen attraktiven, kostenlosen bzw. kostengünstigen öffentlichen Nahverkehr und Anschlussangebote wie das Ausleihen von Autos oder Fahrrädern sowie der Einrichtung von Tempo-30-Zonen mehr und mehr zurückgedrängt werden. Die so verkehrsberuhigten Straßen können zurückgebaut werden, um wieder mehr Raum in den Städten zu schaffen. So wird auch Mobilität per Fahrrad oder mit „Fun“-Fahrzeugen wie Kickboard, Inline-Skater oder Segway wieder attraktiv. Je nach Bedarf kann dabei die eigene Muskelkraft mit einem Elektroantrieb ergänzt werden.
Elektrofahrzeuge und Erneuerbare Energien – ein starkes Paar
Elektrofahrzeuge sind ein wichtiges Element zukunftsfähiger Mobilität: nahezu lautlos, effizient und lokal emissionsfrei. Sie dürfen aber nicht dafür genutzt werden, die Umweltschäden lediglich auf Kohle- und Atomkraftwerke zu verlagern. Zukünftig könnte der Anschluss der großen Fahrzeugakkus an das Stromnetz als Regelkraft zwischen schwankendem Angebot und Nachfrage dienen und somit auch die Erneuerbaren Energien weiter fördern. Diese Technik gilt es weiter zu unterstützen und durch Anreize auch auf den Markt zu bringen.


