BUNDjugend  
Go to hell, Shell

Klimaklage #StopShell

„I just pump up everything there is to pump. I do what the shareholder demands of me.“
– Shell CEO Ben van Beurden

Jeder kennt sie, die gelbroten Shell-Tankstellen. Doch der Konzern, der dahintersteht, ist als eines der weltweit größten Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen nicht nur für viele Umweltverbrechen verantwortlich, sondern auch für den Tod vieler Menschen.

Die Liste der Umweltkatastrophen und Ölverschmutzungen, an denen Shell beteiligt oder schuld ist, ist sehr lang. Unter anderem ist Shell einer der Hauptverantwortlichen für die Ölkatastrophe im Nigerdelta, einer seit Jahrzehnten anhaltenden Ölverschmutzung des dortigen Ökosystems. 2008 z.B. strömte durch das Leck in einer Ölpipeline von Shell Öl aus. Der Konzern bezifferte die Menge des Öls auf 1.640 Barrel, während ein von Amnesty International beauftragtes Unternehmen nach Untersuchungen zu dem Schluss kam, dass mindestens 72 Tage bis zu 4.320 Barrel Öl täglich ausgelaufen sind!
Aber damit nicht genug: in Nigeria begann Shell schon in den 1950ern im Gebiet des Volkes der Ogoni gegen deren Willen mit der Ölförderung. Daraus folgte eine immense Umweltverschmutzung, die den Ogoni ihre Lebensgrundlage raubte und zu Tausenden von Toten führte. Bei Massenprotesten der Bevölkerung und Einsätzen der von Shell hinzugezogenen umstrittenen Polizeieinheit wurden weitere tausende Menschen getötet und geschätzt 80.000 Personen vertrieben. Die Spitze dieser Verbrechen bildet die Hinrichtung von neun Aktivist*innen der Widerstandsbewegung der Ogoni 1995, die in einem offensichtlichen Scheinprozess zum Tode verurteilt und gehängt wurden.

Im Jahr 2018 startete Milieudefensie (Young Friends of the Earth Netherlands) nun mit einem offenen Brief an den britisch-niederländischen Konzern ein riesiges Projekt: sie wollen Shell anklagen, um den Konzern durch eine gerichtliche Entscheidung dazu zu zwingen, seine geschäftlichen Aktivitäten von Öl und fossilen Brennstoffen in Richtung erneuerbare Energien umzulenken. 2019 kamen weitere sechs Natur- und Klimaschutzorganisationen und über 17.000 Niederländer*innen, die als Nebenkläger auftreten, hinzu.

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 haben sich die Staaten weltweit zu Maßnahmen gegen die Klimakrise bekannt, unter anderem dazu, die Nutzung und Förderung von Erdöl und Erdgas zu stoppen. Doch eine wichtige Komponente wird in diesem Abkommen nicht bedacht: die Verantwortung der großen Konzerne, die global einen riesigen Einfluss auf die Erderwärmung und den Klimawandel haben und maßgeblich für die Klimaschäden verantwortlich sind.
So zählt auch Shell zu den 10 größten weltweiten Umweltverschmutzern. Doch statt sich den Zielen des Pariser Abkommens zu verpflichten und ein Umdenken im Konzern zu starten, bohrt Shell nicht nur weiterhin (und noch mindestens bis 2030) nach Öl und Gas, sondern investiert mehr als 25 Milliarden Euro in die Suche nach neuen Öl- und Gas-Vorkommen, das sind mehr als 95% von Shells Investitionen. Im Gegensatz dazu sollen nur ein bis zwei Milliarden Euro (knappe 5% von Shells Investitionen) in erneuerbare Energien fließen.
Hinzu kommt, dass Shell keinen Plan hat: weder, wie die Bohrungen in Zukunft eingestellt werden sollen, noch bis wann der Konzern eine Wende geschafft und die Öl- und Gas-Förderung gestoppt haben will. Keine Nachhaltigkeitsziele, die zum Einhalten des 1.5-Grad Ziels beitragen würden, kein Konzept zur Umschulung der Angestellten hin zu grünen, nachhaltigen Jobs, die einen sozial verträglichen Wandel ermöglichen könnten.
Ebenso tut Shell nichts, um die durch seine Gas- und Öl-Förderungen und -Exporte ausgestoßenen Emissionen zu reduzieren. Im aktuellen Plan sind lediglich die bei der Produktion anfallenden Emissionen bedacht (und nicht mal das in ausreichendem Maße). Shell muss auch Verantwortung für die Emissionen übernehmen, die andere durch die Verwendung von Shells Öl ausstoßen!

Stattdessen setzt Shell auf CO2-Speicherungs-Technologien, die teilweise noch nicht verfügbar, unprofitabel oder komplett unzureichend für die Klimaziele sind. Außerdem propagiert Shell, sei das Gas eine „nachhaltigere und saubere Alternative“ zum Erdöl, obwohl auch dessen Förderung zum Erreichen der Klimaziele gestoppt werden muss. Und als wäre das alles noch nicht genug, versucht Shell aktiv das Klimaabkommen zu untergraben, indem es in entsprechenden Lobbygruppen aktiv ist und mit den fünf größten Öl- und Gas-Konzernen 200 Millionen Dollar jährlich für ihre Lobbyarbeit ausgibt.

Es ist nicht vertretbar, dass Shell seine ganze Verantwortung nur auf die Regierung, welche das Paris-Abkommen unterzeichnet hat, abschieben will. Denn die Klimaziele sind nicht ohne das Mitwirken eben jener großen Konzerne erreichbar. Darum will das Umweltbündnis den Konzern zwingen, sich den Klimazielen unterzuordnen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Auch die unmenschlichen Verbrechen, an denen Shell in Nigeria beteiligt ist, dürfen nicht in Vergessenheit geraten! Aus diesem Grund solidarisieren wir uns mit dem Kampf unserer niederländischen Partnerorganisationen und fordern #StopShell!