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Kolonialismus & Klimakrise – Über 500 Jahre Widerstand

Illustrationen von Cila Yakecã

In den Debatten um die Klimakrise wird immer häufiger von Klimagerechtigkeit gesprochen. Dieses Konzept stellt die Verantwortung für die Klimakrise in den Vordergrund und erklärt, dass nicht alle Länder und Menschen weltweit gleich viel Treibhausgase ausgestoßen haben und ausstoßen.
Länder und Menschen des Globalen Nordens sind für den größten Anteil der Treibhausgasausstöße verantwortlich und damit Hauptverursacher*innen sowie Profiteur*innen der Klimakrise. Gleichzeitig sind es jedoch die Länder und Menschen des Globalen Südens, die am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. Das heißt, nicht nur die Verantwortung für die Klimakrise ist ungleichverteilt, sondern auch ihre Folgen.

Viele Schwarze Menschen, Indigene Menschen und Menschen of Color können die Klimakrise schon längst nicht mehr als Zukunftsproblem oder als ein Problem, das losgelöst von ihrem Alltag stattfindet, betrachten. Denn sie erfahren die Folgen der Klimakrise schon heute. Durch extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen verlieren sie ihre Lebensgrundlage, ihr Zuhause oder ihr Leben. Menschen und Communities, die bereits in der Gesellschaft benachteiligt oder ausgegrenzt werden, sind dabei strukturell auch stärker von der Klimakrise betroffen.

Dekoloniale Perspektive auf die Klimakrise –
Für eine antirassistische Klimabewegung

Aber was hat der Kolonialismus nun mit dem Ganzen zu tun? Diese und weitere Fragen werden in unserer neuen Broschüre „Kolonialismus & Klimakrise – über 500 Jahre Widerstand“ beantwortet.

Für die Autor*innen Laura Bechert, Shaylı Kartal und Dodo, die selbst in unterschiedlichen Bewegungen für Klimagerechtigkeit und Antirassismus aktiv sind, ist dieses Verständnis der Klimakrise als Resultat aus dem europäischen Kolonialismus und seiner Kontinuitäten fundamental. Sie knüpfen an die Kritik an weißen Klimabewegungen von Schwarzen Aktivist*innen wie Imeh Ituen, Joshua Kwesi Aikins, dem Black Earth Kollektiv und vielen weiteren BIPoC Personen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung an, die eine Auseinandersetzung mit dieser Verknüpfung von Kolonialismus, Rassismus und der Klimakrise im deutschsprachigen Raum überhaupt erst ermöglichten. Sie wollen dazu beitragen, dass junge Schwarze, Indigene und People of Color (kurz BIPoC) Leser*innen den Kampf für Klimagerechtigkeit als Teil ihrer eigenen Geschichte sehen. Unterstrichen wird diese Botschaft durch zahlreiche Illustrationen sowie Portraits Schwarzer, Indigener Umweltschützer*innen und antikolonialer Widerstandskämpfer*innen of Color von Cila Yakecã.


Was heißt BIPoC?

BIPoC ist eine Abkürzung und steht im Englischen für Black, Indigenous and People of Color und im Deutschen für Schwarz, Indigen und Menschen of Color. Der aus der US-amerikanischen Bürger*innenrechtsbewegung stammende Begriff ist eine bestärkende und solidarische Selbstbezeichnung. Schwarz wird in jedem Kontext groß geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich weder um ein Adjektiv noch um eine Farbe handelt. Was BIPoC miteinander verbindet, sind geteilte Rassismuserfahrungen, Ausgrenzung von der weiß dominierten Mehrheitsgesellschaft und kollektive Zuschreibungen des “Andersseins”. Es geht also nicht um biologische Gemeinsamkeiten, sondern primär um soziale Gemeinsamkeiten und Erfahrungen. Der Begriff positioniert sich gegen Spaltungsversuche durch Rassismus sowie gegen diskriminierende Fremdbezeichnungen durch weiße Mehrheitsgesellschaften. Die selbstbestimmte Selbstbezeichnung ist eine aktive, empowernde und kritische Handlung und damit wesentlicher Teil der Widerstandsgeschichte gegen den europäischen Kolonialismus und Rassismus


Was heißt weiß?

weiß ist, im Gegensatz zu BIPoC, keine politische, empowernde Selbstbezeichnung, sondern markiert die dominante und privilegierte Position von Menschen innerhalb des rassistischen Systems. Diese Position ist verbunden mit der Erfahrung als gesellschaftlicher Maßstab und Norm zu gelten. Das wird wiederum als selbstverständlich und normal wahrgenommen. Mit der Markierung als weiß werden diese Erfahrung und Wahrnehmung als weiße Privilegien gekennzeichnet und das rassistische Macht- und Unterdrückungssystem sichtbar gemacht. Um deutlich zu machen, dass weiß-Sein keine ermächtigende Selbstbezeichnung ist, wird weiß, klein und kursiv geschrieben. weiß meint keine Farbe oder Hautfarbe, sondern ist ein politischer Begriff.


Globaler Norden – Globaler Süden

Die Begriffe “Globaler Süden” und “Globaler Norden” beschreiben die historisch gewachsenen und gegenwärtigen Macht- und Unterdrückungsstrukturen auf globaler Ebene. Der Begriff Globaler Süden beschreibt Länder und Orte auf der Welt (zum Beispiel Länder in Afrika, Südostasien oder Süd- und Mittelamerika), die sich global betrachtet in einer politisch und wirtschaftlich benachteiligten Position befinden. Dieser Zustand ist auf die europäische Kolonialzeit und die damit verbundene Ausbeutung jeglicher Art zurückzuführen, die wiederum vom Globalen Norden (zum Beispiel Europa und die USA) ausgeht. Länder des Globalen Nordens befinden sich in einer privilegierten Machtposition und werden auch häufig als “westliche Welt” oder der “Westen” bezeichnet. Die Einteilung in Süd und Nord wird unabhängig von der geografischen Verortung verstanden, denn auch Australien zählt zum Beispiel zu den Ländern des Globalen Nordens. Die Bezeichnung Globaler Süden soll wertende und fremdbestimmte Ausdrücke für die besagten Länder ersetzen.


Die Broschüre

Auf 64 Seiten beschreibt die Broschüre zunächst wie die Klimakrise durch den Kolonialismus, das koloniale Naturverständnis und die daraus resultierende Ausbeutung von Mensch und Natur überhaupt erst entstehen konnte. In einem weiteren Kapitel geht es darum, wie sich koloniale Kontinuitäten in der unterschiedlichen Betroffenheit von Klimawandelfolgen, dem Umfang von CO2-Emissionen, Ressourcenabbau, aber auch in der Suche nach Lösungen für die Klimakrise und im weißen Klimaaktivismus erkennen lassen. Ein zentraler Teil der Broschüre ist ebenso die Entstehungsgeschichte der Umwelt- und Klimagerechtigkeitsbewegung und das Aufzeigen verschiedener antikolonialer Widerstände, die sich seit 500 Jahren gegen Ausbeutung auflehnen und somit die Klimakrise schon in ihrer Wurzel bekämpft haben. 


Zum Cover

Das Cover bildet eine Schwarze weiblich markierte Person und zwei Kinder ab, die gemeinsam die Weltkugel auf ihren Schultern tragen. Symbolisch steht dies für die Last der Klimakrise und Umweltzerstörung, die Schwarze Menschen bereits seit Jahrhunderten, gegenwärtig und künftig tragen. Für uns bildet die Illustration vor allem Widerstand ab. In einer rassistischen Welt bedeutet die bloße Existenz nicht-weißer Menschen immer Widerstand. Darüber hinaus sehen wir in der überwiegend von FINTA* getragenen Care-Arbeit, also das Sorgen und Sich-Kümmern um Menschen einen widerständigen Akt. Zusätzlich zur Care-Arbeit wird FINTA* oftmals auch die Verantwortung für Umweltschutz auferlegt.
Und auch die Muster auf der Kleidung der Personen stehen in einem direkten Zusammenhang zu Widerstandspraktiken und sind bewusst gewählt. Zum Beispiel ist die Verwendung von afrikanischen Mustern, Symbolen und Stoffen wie Ofi und Adinkra seit langem ein Mittel antirassistischer Kämpfe in Brasilien. Diese verbinden viele Schwarze Menschen der Diaspora mit Philosophien und kulturellen Praktiken ihrer Vorfahren. Es gibt eine Vielzahl an Mustern, Symbolen und Stoffen, die bestimmte Regionen Afrikas repräsentieren. Durch Austausch und Begegnung können sich diese verändern und neue ästhetische, identitätsstiftende und widerständige Bedeutungen entstehen. Unter Berücksichtigung dieses Kontextes werden die Muster im Cover verwendet.


Ergänzung: Wir möchten darauf hinweisen, dass in der gedruckten Version die Quellenangabe bei der Fußnote drei auf Seite 21 fehlt und der Begriff “sozialer Big Bang” von Syl Ko: Black Veganism Memoirs ist.

Der Flyer

Neben der Broschüre haben wir den Flyer “Für ein Klima der Gerechtigkeit” veröffentlicht. Auf acht Seiten gehen wir hier auf die wesentlichen Aspekte der Klimagerechtigkeit ein. Wir möchten junge Aktive dazu anregen, ihr Engagement für Klima und Umwelt mit dem Kampf für eine gerechte Gesellschaft zu verbinden. Wir würden uns freuen, wenn unsere Publikationen dazu dienten, gemeinsam aus vielfältigen Perspektiven den sozialökologischen Wandel voranzutreiben.

Die Autor*innen

Dodo

tauscht sich gerne zu antirassistischen und dekolonialen konzepten wie black veganism aus. Am liebsten ist dodo im garten, im wald, mit pflanzen oder kreativ beschäftigt.
Twitter: @mitakuniai

Laura

studierte in Berlin Regionalstudien Asien/Afrika im Bachelor. Seitdem arbeitet sie als Journalistin und versucht ihren rassismuskritischen Blick in ihre Arbeit mit einfließen zu lassen. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, verbringt Laura gern Zeit mit den Homies.
Instagram: @loloolauraloloo

Shaylı 

engagierte sich, nachdem er seinen Traum aufgab eines Tages professioneller Basketballer zu werden, in einigen sozialen Projekten. Er zog nach Leipzig, wo er “Afrikanistik” und “Arabistik und Islamwissenschaften” studiert. Seit einigen Jahren ist Shaylı in verschiedenen klimapolitischen Gruppen aktiv.
Instagram: @shaylikartal

Kontakt Autor*innen: klimaantikolonial@protonmail.com

Die Illustrator*innen & Layouter*innen

Cila

Cila (keine Pronomen / they / them) ist ein*e trans nicht-binäre*r schwarze*r und indigene*r multidisziplinäre*r Künstler*in, Heiler*in, Geschichtenerzähler*in und Aktivist*in aus Brasilien. 
Instagram: @bitchwitchcraft

Kira

Kira Laureano ist ein*e nicht-binäre*r POC und Grafikdesigner*in aus Brasilien.
Instagram: @kiralaureano

Die Quellen und weiterführende Literatur haben die Autor*innen hier gesammelt: https://linktr.ee/Klima.Kolonialismus

Die Pressemitteilung zur Veröffentlichung findet ihr hier: https://www.bundjugend.de/pm-broschuere/


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