BUNDjugend  
Projekt

Mit Suffizienz zum guten Leben – für alle!

Unser Lebensstil belastet Umwelt und Menschen hier und andernorts - So gehts nicht weiter. Wir wollen ein gutes Leben für alle!

Digitale Suffizienz

Heute schon aufs Smartphone geschaut? Instagram gecheckt? Snaps verschickt? Für die allermeisten von uns ist ein Leben nur „offline“ kaum noch vorstellbar. Was viele dabei nicht auf dem Schirm haben: Die Anzahl der digitalen Geräte wächst enorm – und mit ihr der Energie- und Ressourcenverbrauch. Wäre das Internet ein Land, hätte es weltweit den drittgrößten Stromverbrauch – direkt nach den USA und China!
Aktuell trägt die Digitalisierung vor allem dazu bei, einigen wenigen Konzernen viel Profit zu bescheren, statt ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Wir verbrauchen nicht nur Energie und Ressourcen, wenn wir surfen und online sind – die neuen digitalen Möglichkeiten führen dazu, dass auch offline unser Ressourcenhunger steigt: Drei Viertel der deutschen Bevölkerung kaufen regelmäßig online ein. Während wir surfen, hinterlassen wir häufig unbewusst überall unsere Daten. Die großen IT-Unternehmen können mit den gesammelten Daten noch besser Werbung auf uns zuschneiden – und so den Konsum weiter ankurbeln.

Digitale Suffizienz

Digitale Suffizienz strebt den geringeren Verbrauch von Ressourcen und damit den Schutz der Umwelt an. Das passiert durch eine verringerte Nachfrage nach ressourcenintensiven Geräten und Anwendungen.

Wo brauchen wir Digitalisierung wirklich?

Und: Wieviel Digitalisierung ist genug?

Die Digitalisierung bringt viele Fallstricke mit sich. Doch wir sollten nicht in eine technikfeindliche Hysterie verfallen. Tatsächlich bietet die Digitalisierung auch Chancen für Ressourcenschonung.
Es kommt also darauf an, die Digitalisierung für einen ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Wandel zu nutzen. Wie schaffen wir es, dank und trotz Digitalisierung insgesamt weniger Ressourcen zu verbrauchen? Die digitale Entwicklung läuft aktuell eher nach dem Motto:
Was können wir entwickeln?
Oftmals steht nicht das Gemeinwohl im Vordergrund, sondern der Profit, der mit digitalen Entwicklung erzielt werden kann. Statt alles radikal durchzudigitalisieren, sollten wir uns die Frage stellen:
Welche digitalen Entwicklungen brauchen wir als Gesellschaft?
Wo können sie zu einem sozial-ökologischen Wandel beitragen?
Und wo ist es sinnvoller, darauf zu verzichten und anlog zu bleiben?

Diese Fragen zu stellen ist der Schlüssel für digitale Suffizienz.

Unsere neue Broschüre zum Thema:
#vollvernetzt. Mit digitaler Suffizienz zum guten Leben für alle

In unserer Digitalisierungs-Broschüre kannst du nachlesen, wie sich digitale Entwicklungen auf unseren Ressourcenverbrauch auswirken, welche Rolle Datenschutz dabei spielt und was sich hinter Begriffen wie „Bots“, „Algorithmus“ oder „Cloud“ eigentlich genau verbirgt. Außerdem stellen wir vor, welche politischen Rahmenbedingungen es für eine sozial-ökologische Digitalisierung bräuchte und wie du dafür politisch aktiv werden kannst.

Digitalisierung politisch gestalten!

Es braucht politische Rahmenbedingungen, die eine soziale und ökologische Digitalisierung ermöglichen. Deswegen fordern wir:

  • Unternehmerische Sorgfaltspflicht:
    Damit unsere digitale Entwicklung nicht auf Kosten anderer Menschen und der Natur in den Abbauregionen geht fordern wir, dass Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, die Auswirkungen ihrer Arbeit auf Menschenrechte und Umwelt bis zur Mine transparent zu untersuchen und negativen Folgen entgegenzuwirken.
  • Langlebige Produkte und Open Source:
    Um Ressourcen zu schonen, braucht es vor allem eins: langlebige Produkte! Herstellende Unternehmen müssen gesetzlich verpflichtet werden, ihre Produkte langlebig zu gestalten und zu produzieren. Das gilt für langlebige, reparierbare Hardware ebenso wie auch für die Software.
  • Datenschutz und Werbeverbot:
    Damit das Surfen im Netz uns nicht ständig zu mehr und mehr Konsum anregt, sollte die Erfassung und Auswertung von persönlichen Daten für Werbezwecke, beispielsweise bei Suchmaschinen und sozialen Netzwerken, politisch untersagt werden.
  • Digitalisierung demokratisieren:
    Wieso wird der digitale öffentliche Raum dann vor allem von privaten Konzernen kontrolliert? Die zentralen Infrastrukturen und Dienstleistungen der digitalen Gesellschaft gehören in öffentliche Hand und müssen demokratisch reguliert und gestaltet werden!

Aktiv werden für eine andere Digitalisierung!

Hier findest Du Ideen und Anregungen, wie du politisch Druck ausüben kannst für eine
sozial und ökologisch nachhaltige Digitalisierung.

Wie wäre es mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion, bei der ihr auf das Thema Datensouveränität hinweist? Platziert große Pfeile mit „geheimen“ Informationen um eine Person – und macht damit deutlich, wie viel Google & Co. über uns wissen: „ist politisch aktiv“, „hört gern Schlager“, „schaut regelmäßig Pornos“. Am besten ihr platziert gleich noch die entsprechenden Produktwerbungen um diese Person! Privatsphäre? Fehlanzeige!

Oder ihr organisiert einen Flashmob, bei dem ihr – als große Daten-Konzerne wie Twitter, Facebook & Co. erkennbar oder als staatliche Institutionen markiert – plötzlich Passant*innen folgt und dabei Schilder hochhaltet mit der Aufschrift: „I follow you!“ Die Aufmerksamkeit ist euch sicher. Mit entsprechender Medienbegleitung könnt ihr auf das Thema Datensouveränität aufmerksam machen.

Organisier dich mit Menschen zum massenhaften digitalen Protest: Benutze die Social Media-Auftritte der IT-Unternehmen, um nachzufragen, woher sie die Rohstoffe für ihre Produkte beziehen oder mit welchem Strom sie ihre Server betreiben. Vielleicht könnt ihr eine erfolgreiche Hashtag-Welle dazu lostreten?

Vernetze dich mit lokalen Netz-Aktivist*innen und organisiert eine Crypto Party im öffentlichen Raum! Bei Crypto Partys bilden Menschen sich in grundlegenden Verschlüsselungstechniken und IT-Sicherheit fort – Fokus liegt auf Open-Source-Software. Ihr könnt Lokalpolitiker*innen einladen und gleich nachhaken, wieso die Verwaltung deiner Kommune noch nicht auf Open Source umgestiegen ist.

Zum Klicken, Gucken, Weiterlesen

  • Steffen Lange und Tilman Santarius (2018): Smarte, grüne Welt?
  • politische ökologie (2018): Smartopia. Geht Digitalisierung auch nachhaltig?, Heft Nr. 155.
  • Felix Sühlmann-Faul, Stephan Rammler (2018): Der blinde Fleck der Digitalisierung. Wie sich Nachhaltigkeit und digitale Transformation in Einklang bringen lassen.
  • digitalcourage (2018): #kids #digital #genial – Schütze dich und deine Daten! Das Lexikon von App bis .zip.
  • Julia Schneider und Lena Kadriye Ziyal: We need to talk, AI. A Comic Essay on Artificial Intelligence. (tolles Comic über künstliche Intelligenz auf englischer Sprache)
  • Powershift (2017): Ressourcenfluch 4.0. Die sozialen und ökologischen Auswirkungen von Industrie 4.0 auf den Rohstoffsektor.
  • Netzpolitik.org – Nachrichten-Website zu digitalen Freiheitsrechten und netzpolitischen Themen
  • Logbuch:Netzpolitik – regelmäßiger Podcast zu netzpolitischen Themen
  • Hier findet ihr die Dokumentation der “Bits & Bäume” – Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.