BUNDjugend  
Ein Ratgeber

Vegan – Warum nicht?

Verzichten wir ganz oder weitgehend auf tierische Kost, tun wir unserer Umwelt und Gesundheit zumeist etwas Gutes. Wichtig bleibt, zu welchen Produkten wir stattdessen greifen.

Warum möglichst oft auf Fleisch verzichten? Da­rum: 2016 wurden in Deutschland etwa 700 Millionen Tiere gemästet und so viele Tiere ge­schlachtet wie noch nie. Die Intensivmast erleben diese Tiere als Qual. Der Anbau ihres Eiweißfutters belegt riesige Flächen außerhalb der EU, zerstört dort die biologische Vielfalt, schadet dem Klima und trägt zum globalen Hungerproblem bei. Mit dem Import von Millionen Tonnen Sojaschrot gelangen zudem Unmengen Nährstoffe zu uns, die dann als Gülle auf viel zu wenig Fläche landen. Das Resultat: mehr und mehr Nitrat im Grundwasser.

Noch isst jede*r Deutsche im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Dabei sollten wir zugunsten unserer Umwelt, aber auch unserer Gesundheit so oft es geht auf Fleisch verzichten. Nicht nur Fleisch, sondern konsequent alle tierischen Produkte vermeiden all jene Menschen, die sich vegan ernähren.

Veganes aus der Region!

Wie gesund ist vegane Kost? Das ist wenig erforscht. Sicher ist: Bei einer ausgewogenen veganen Ernährung mit hohem Rohkostanteil ist man weniger anfällig für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfälle, Herzinfarkte und viele Krebsarten. Nur das Vitamin B12 fehlt in Pflanzen und sollte ergänzend als Präparat zugeführt werden. Zum Schutz vor Eisenmangel wird speziell Frauen empfohlen, besonders auf eisenhaltige Kost zu achten.

Sicher ist auch: Die Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung wirkt auf Natur und Umwelt vielfach positiv. Weil sie die vielschichtigen Umweltprobleme der industriellen Fleischproduktion (s.o.) mindert. Weil sie die Zahl der Tiere verringert, die dafür leiden, dass wir ihre Eier, Milchprodukte oder ihr Fleisch essen. Und weil sie die überfischten Weltmeere entlastet.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der Ökolandbau benötigt, weil er auf Kunstdünger verzichtet, Tierdung für seine Felder. Doch geht es ja nicht darum, die ganze Weltbevölkerung zum Veganismus zu bekehren; sondern vor allem darum, deutlich weniger tierische Produkte zu konsumieren – und die verbliebenen Tiere möglichst artgerecht zu halten.

Mit jedem Tag, an dem Sie sich vegan ernähren, tun Sie also sich und Ihrer Umwelt tendenziell etwas Gutes. Zwei Prozent der Deutschen – darunter viele junge Menschen – essen bereits rein pflanzlich. Die Ernährungsindustrie reagiert auf diesen Trend. Doch deren  hochverarbeitete und importierte Produkte sollten Sie möglichst meiden. Halten Sie sich am besten an die Lebensmittel der Saison, ökologisch und sozial verträglich in Ihrer Region angebaut.

Fünf Tipps

  • Die Ernährungsindustrie preist vegane Produkte wie Sojapudding, Seitanschnitzel und zuckrige Shakes – die nicht besser sind als normales Fastfood. Greifen Sie zu Saisongemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornbrot.
  • Hülsenfrüchte sind ein beliebter Fleischersatz – etwa als Pasten für den Brotaufstrich. Erbsen, Linsen etc. eignen sich als Zutat für viele Gerichte und sind eine gute Eiweißquelle.
  • Kochen Sie häufiger selbst, das spart Geld und ist gesund. Vegane Rezepte finden Sie zahllos in Kochbüchern und online. Mit dem Kauf regionaler Bioprodukte unterstützen Sie die heimische Landwirtschaft.
  • Fragen Sie nach: Viele Restaurants bieten inzwischen vegane Gerichte an. Besonders reichhaltig ist hier die indische Küche.
  • Wer strikt vegan lebt, verzichtet auch auf Leder, Seide und Schafwolle. Synthetischer Ersatz aus Erdölprodukten ist aus Umweltsicht nicht zu empfehlen. Besser ist es, Kleidung gebraucht zu kaufen und lange zu tragen. Neues besteht am besten aus ökologisch hergestellten Naturfasern.

 Weitere Infos:

Die fatalen Folgen der Fleischindustrie zeigt der »Fleischatlas« vom BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung.