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Tropical Forest Forever Facility

Klima

Wieso der auf der COP30 vorgestellte TFFF keine Lösung gegen Entwaldung ist und was stattdessen wichtig wäre.

Worum geht’s?

Der brasilianische Präsident Lula da Silva hat im Zuge der momentan stattfindenden COP30 in Belém mit “Tropical Forest Forever Facility” (TFFF) ein neues Konzept zur Verhinderung von Entwaldung und Abholzung von Tropenwäldern vorgestellt. Geplant ist dabei ein internationaler Fond – dessen Gewinne sollen unter anderem dazu verwendet werden, Regierungen für die Tropenwaldflächen, die in ihren Ländern erhalten bleiben, zu bezahlen.

Woher kommt das Geld für den TFFF?

Geplant ist zunächst ein Startkapital von etwa 25 Milliarden US-Dollar, die sich aus Investitionen verschiedener Staaten (bspw. Norwegen, Deutschland, Frankreich oder Großbritannien) zusammensetzen. Dies soll wiederum privatwirtschaftliche Investoren dazu animieren, Geld in den Fond einzuzahlen, sodass die Gesamtsumme an Investitionen in den nächsten Jahren auf etwa 125 Milliarden anwächst. Dieses Geld würde dann an Kapitalmärkten vorwiegend in Entwicklungsländern angelegt werden, wobei den Geberländern und Investoren hohe Zinsen ausgezahlt werden. Das restliche erwirtschaftete Geld – laut da Silva erwartete 4 Milliarden Dollar jährlich – dient als Prämie für den Waldschutz.

Wie sieht der Finanzierungsmechanismus aus?

Staaten, deren Entwaldungsrate unter 0,5 Prozent liegt, sollen beim TFFF jährlich vier US-Dollar pro Hektar Fläche mit erhaltenem Tropenwald ausgezahlt bekommen. Gleichzeitig würde jeder Hektar abgeholzter Wald mit 140 Dollar Strafe sanktioniert werden. Überprüft werden soll die Erhaltung des Waldes unter anderem mithilfe von Satellitenbildern. Auch an indigene Völker sollen mindestens 20 Prozent der erwirtschafteten Rendite fließen.

Was ist das Problem mit dem TFFF?

TFFF reproduziert koloniale, asymmetrische Machtverhältnisse: Die Entscheidungskraft liegt bei Personen aus dem Globalen Norden – ohne dass diese einen Bezug zur Lebensrealität der Menschen in den betroffenen Ländern haben. Der Fond untergräbt dabei die Autonomie der Menschen vor Ort: TFFF sieht keinerlei Form der zivilgesellschaftlichen Mitbestimmung vor, es wird über die Köpfe der indigenen Bevölkerung hinweg entschieden. Denn auch wenn 20 Prozent der Subventionen an indigene Völker fließen, bleibt TFFF ein fremdbestimmtes System, das sich an den Interessen des globalen Nordens orientiert. Zudem wird auch dieser Anteil zunächst an die – teils antidemokratischen – Regierungen der jeweiligen Staaten gezahlt. Wo das Geld tatsächlich ankommt ist also nicht sicher, zusätzlich kann es von den Regierungen als politisches Druckmittel gegen die indigene Bevölkerung genutzt werden.

Weitere Kritikpunkte

Zudem ist nicht sicher, wie effektiv das Modell tatsächlich ist: Denn 4 Dollar pro Hektar sind mitunter deutlich weniger profitabel als die Gewinne die durch die Abholzung des Waldes generiert werden. Gleichzeitig unterstützen die Finanzinstitutionen die am TFFF beteiligt sind – bspw. die Weltbank – auch umweltzerstörende Aktivitäten.

Investor*innen haben Priorität

Die Auszahlung von Gewinnen an die Investor*innen hat bei TFFF Vorrang vor den Zahlungen zum Schutz des Tropenwalds: Im Falle von Finanzschwierigkeiten werden zunächst die Subventionen für den Waldschutz eingestellt, anschließend die 25 Milliarden Dollar der verschiedenen Staaten verbraucht, erst zum Schluss das Geld privater Investoren. Finanzielle Schwierigkeiten sind dabei nicht unwahrscheinlich, denn das Geld soll vor allem in spekulative Staats- und Unternehmensanleihen gesteckt werden, die zwar größere Summen abwerfen, gleichzeitig aber auch risikoreicher sind.

Was wäre jetzt wichtig für den Regenwaldschutz?

Um den langfristigen Schutz des Tropenwalds zu garantieren bräuchte es zunächst Konzepte, die die indigene Bevölkerung in die Entwicklung und Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen einbeziehen. Klare, festgelegte Richtlinien sind dabei mitunter effektiver als marktbasierte Ansätze. Wie auch bei anderen klimapolitischen Themen ist anstatt eines finanziellen Mechanismus, der für die Staaten des Globalen Südens Abhängigkeiten vom Globalen Norden entstehen lässt, zudem eine Zuschuss-basierte Klimafinanzierung wichtig. Zuletzt braucht es schließlich ein Bewusstsein dafür, dass der Waldschutz essentieller Bestandteil der Klimapolitik ist – denn ohne Waldschutz kann kein Klimaschutz stattfinden und andersherum.

Quellen:

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